The Ethical Consumer

Ich werde in letzter Zeit immer mal wieder gefragt, was man denn als normale Einzelperson tun kann, um sich gegen den Brexit zu wehren.
Eine Frage, dich ich mir auch regelmäßig stelle und immer wieder neu beantworte.
Ich bin keine Politikerin oder Diplomatin, ich kenne niemand in der Regierung, auf den ich Einfluss nehmen könnte, und soweit, mich aus Protest nackt an die Felsen von Dover zu ketten, möchte ich dann doch nicht gehen.

Ich habe anfänglich noch Petitionen unterschrieben, was ich inzwischen aufgegeben habe, da ich den Eindruck habe, dass die eh vom Parlament, so wie es im Moment aufgestellt ist, schlicht ignoriert werden.
Auch scheint die Tatsache, dass immerhin 48% der Bevölkerung Remain gewählt haben, keinen zu interessieren scheint.

Was also tun?
Wie soll man damit umgehen, dass die eigene Stimme nicht gehört wird?

Nun, ich gehe auf Demos, engagiere mich bei den 3million und versuche in Social Media eine weitere Stimme gegen den Brexit zu sein.
Aber, und das höre ich von vielen, das ist irgendwie nicht genug.

Wie bei vielem in unserer Gesellschaft habe ich den Eindruck, dass auch hier nur die Sprache des Geldes gehört wird. Geld ist Macht. Geld ist Einfluss.
Nun habe ich persönlich kein Vermögen und kann keine Kampagnen kaufen (oder jemand, der sich für mich nackt an die Felsen von Dover kettet)

Aber ich habe mein eigenes Geld. Geld mit dem ich jeden Tag einkaufen gehe.
Und hier liegt die “Macht des kleinen Mannes” bin ich überzeugt. Wenn 48% der Bevölkerung ihr Kaufverhalten hinterfragen, ist das ein ungeheuerer Wirtschaftsfaktor.
Kaufboykott hat schon so manche Firma zum Umdenken gebracht (zuletzt hier in Großbritannien bei LEGO)

Ich stütze mich bei meinen Entscheidungen dabei vor allem auf Stop Funding Hate (stopfundinghate.org.uk) und The Ethical Consumer Magazine (ethicalconsumer.org).
Beide versuchen auf Firmen aufmerksam zu machen, die durch Anzeigen in Zeitungen wie der Daily Mail und dem Daily Express die Medienkampagnen gegen Ausländer und für den Brexit unterstützen.
Wo immer ich kann (und ich bin da nicht missionarisch) meide ich diese Firmen (sorry Waitrose), wann immer ich British Airways fliege beschwere ich mich, dass eine internationale Gesellschaft, die noch dazu Länder verbinden will, die Daily Mail kostenlos an ihre Kunden ausgibt.

Und schließlich: Ich versuche mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Ein Daily Mail Leser neben mir im Cafe oder in der U-Bahn? Ok, lass uns drüber reden. Ich habe es nur sehr selten erlebt, dass Leute nicht reden wollten (manchmal mehr als ich!)
Und ja, diese Gespräche sind nicht immer angenehm, aber sehr häufig stellt sich heraus, dass es eben nicht um die Ausländer im Allgemeinen geht (“we don’t mean you, darling…”) oder um das Zurückerobern von Kontrolle (worüber eigentlich?), die der Daily Mail Leser dann ja persönlich immer noch nicht hat, sondern viel mehr um die kleinen täglichen Sorgen. Um die steigenden Mieten, die kranke Mutter, zu wenig Kindergartenplätze und die kaputte Ehe. Brexit hatte doch Veränderung versprochen. Und das hörte sich erst mal gut an. Über Details kann man sich dann ja später noch unterhalten.
Ich habe gestern eine Statistik im Independent gesehen, wonach 69% der Leave voters ihr Interesse am Brexit als eher gering einstufen.
Das deckt sich mit meiner Erfahrung aus meine Gesprächen. Es geht nicht um Brexit oder Brüssel oder Europa oder Ausländer oder Kontrolle; es geht um Veränderung. Um die Hoffnung, ein besseres Leben zu schaffen.
Und diese Änderung können wir nur gemeinsam erreichen.
Und am Besten da, wo es weh tut. Beim Geld

Ich freu mich über Ihre Anregungen, wie Sie aktiv werden!